Michael Gelbhaar Analogpoet

Poesie auf Film

Mein Name ist Michael Gelbhaar. Man kennt mich jedoch eher unter dem Pseudonym Der Analogpoet. Meine Leidenschaft ist die analoge Fotografie auf Film im Stil der 20er bis 50er Jahre. Aber auch zeitgenössische konzeptionell abstrakte und düster inszenierte Porträts als auch authentische ungestellte Portraits sind meine Passion. Entsprechend fotografiere ich fast ausschließlich auf klassischem Schwarzweißfilm und Tungsten-Farbfilm im Kleinbild, Mittelformat und Großformat bis 8×10 Inch.

Schwarzweiss-Portrait aus dem Jahr 2020 und Signatur des Fotografen Michael Gelbhaar

Nicht nur der Fotografie gehört mein Herz, sondern auch der Literatur, Poesie und Musik. Ich liebe es, mich unter kreativen Menschen jeglicher Couleur zu tummeln. Ich mag Menschen, die sich frei von Eitelkeit gegenseitig austauschen, inspirieren, fördern und zusammen interdisziplinäre Kunstprojekte auf die Beine stellen.

Du bist Künstler, Maler, Fotograf, Dichter, Denker, Schauspieler, Schriftsteller, Lyriker, Musiker oder hast einfach Lust, Kreativität eine Gestalt zu geben? Dann schreibe mir! Vielleicht können wir ja ein Projekt gemeinsam umsetzen – das wäre ganz wunderbar!

Warum ich analog und nicht digital fotografiere

Neben Fragen zu meiner Ausrüstung werde ich immer wieder gefragt, warum ich analog auf Film und nicht digital fotografiere. Um die Antwort vorwegzunehmen: Weil es mir unendlich viel Spaß macht! Es geht mir nicht um diese ominöse Entschleunigung, die neuerdings der analogen Fotografie verklärt nachgesagt wird. Und ein Hipster bin ich alter Sack mit Sicherheit auch nicht.

Meine fotografischen Vorbilder

Ich habe im Alter von 14 Jahren begonnen, mich ernsthaft mit der Fotografie auseinanderzusetzen, angefangen mit den fotografischen Grundlagen, der Aufnahmetechnik und analogen Weiterverarbeitung in der Dunkelkammer und im Labor, der Bildgestaltung bis hin zu der Analyse der Arbeiten meiner fotografischen Vorbilder, wie zum Beispiel E.R. Richee, George Hurrell, Scotty Welbourne, Bud Fraker oder Laszlo Willinger.

Mein Leben in der analogen Dunkelkammer

Bereits ein Jahr später verbrachte ich den Großteil meiner Freizeit in der zwischenzeitlich opulent ausgestatteten eigenen Dunkelkammer im elterlichen Keller, was mir den Spitznamen Maulwurf einbrachte. Und heute noch bin ich aufgeregt wie ein kleines Kind kurz vor der Bescherung zu Weihnachten, wenn ich die Jobo-Spule mit dem entwickelten Negativfilm aus der Dose nehme und hoffe, dass die Fotos etwas geworden sind. Man muss es selber einmal erlebt haben, wie es ist, wenn sich im Positivprozess in der Entwicklungsschale die ersten Bildspuren abzeichnen. Ich empfinde das immer wie einen kleinen Schöpfungsprozess. Immerwährende handwerkliche Rückschritte versüßen mir den anschließenden Triumph und die große Freude ungemein, wenn nach gefühlt unendlich vielen Fehlversuchen endlich der großformatiger Fine Art Print auf Baryt ohne Stippchen und Muschelbruch aus der Trockenpresse kommt. All das sind intensive Emotionen, die ich bei der digitalen Fotografie nicht spüre. Das einzige, was im Laufe der letzten Jahre hinzugekommen ist, ist die Digitalisierung der Negative mittels Scanner oder Abfotografieren am Reprotisch, um meine Arbeiten auch online zeigen zu können.

Es gab Jahre, da ich weit mehr mit digitalen als analogen Kameras gearbeitet habe, gerade im gewerblichen Einsatz. Aber letztendlich kam meine Erkenntnis, dass ich mit einer DSLR bzw. DSLM und Photoshop bei weitem nicht die Ergebnisse erzielen kann, wie es mir mit einer analogen Kleinbild-, Mittelformat- oder Großformatkamera gelingt und wie sie mir gefallen.

Mein kreativer Prozess hin zum fertigen Bild

Ich unterscheide für mich vier Prozesse:

1. Die Bild-Idee
2. Das fotografische Motiv
3. Das fotografische Sehen
4. Die handwerkliche Ausarbeitung („Der Bild-Look“)

Die ersten drei Punkten sind beim anlogen wie digitalen Fotografieren weitgehend gleich. Hingegen im letzten Punkt ist die Herangehensweise völlig unterschiedlich, meist sogar konträr.

Die Bild-Idee

Bevor ich überhaupt für ein Projekt meine Kamera zum ersten Mal in die Hand nehme, ist das Foto bereits fix und fertig in meinem Kopf. Die gewünschte Wirkung auf den Betrachter, das Motiv, das Licht, der Bild-Look und sogar die Größe des Prints und die Art des Passepartouts und Bilderrahmens. Alle nachgelagerten Prozesse dienen alleine dazu, meine Imagination visuell real werden zu lassen.

Das fotografische Motiv

In der inszenierten Portrait-Fotografie gibt es für mich zwei Varianten des fotografischen Motivs: Eine zentral dargestellte Person ist der wesentliche inhaltliche Bestandteil eines Bildes. Oder aber meine Motivation ist, meine Gedanken, Emotionen und Gefühle abstrakt über Bildinhalte zu transportieren. Letzeres nenne ich gerne die künstlerisch-abstrakte Fotografie.

Das fotografische Sehen

Unabhängig vom fotografischen Motiv, ist eine Variable die einzig entscheidende, ob es ein gutes oder weniger gutes Foto wird, ob die Bildidee transportiert und beim Betrachter hängen bleibt oder ob das Motiv schlichtweg langweilig ist. Diese Variable ist das Licht. Das Licht ist, bleibt und wird immer das Wichtigste an einem guten Foto bleiben. Es gibt schier unendlich viele Varianten, hartes Licht, weiches Licht, Licht aus der einen oder anderen Richtung, helles Licht, dunkles Licht, warmes Licht, kaltes Licht – die Aufzählung könnte ich beliebig lange weiterführen. Ein gut gewähltes Licht macht aus einem Foto erst ein kleines Kunstwerk.

Neben dem Licht mache ich mir auch über geometrische Elemente, Bilddiagonalen und Herlligkeits- und Farbkontraste Gedanken und wie diese die Bildwirkung unterstützen können. Das kann geplant sein oder aber spontan kurz vor der Aufnahme.

Die handwerkliche Ausarbeitung

Digitale Fotografie

Abgesehen von der verwendeten Brennweite und Blende, wird der Bild-Look in der digitalen Fotografie fast ausschließlich in der Nachbearbeitung kreiert. Selbst wenn ich mich bereits ganz am Anfang imaginär für einen Bildlook entschieden habe, entsteht dieser erst viel später nach der eigentlichen Aufnahme in Photoshop. Erst in der digitalen Bildbearbeitung entsteht der finale Kontrast, die Farbabstimmung, oftmals auch der Bildausschnitt und die künstliche Körnung und Vignette.

Genau dieser Workflow hat mich, wie viele andere Fotografen und Fotografinnen auch, verzweilfen lassen: Man ist auch nach stundenlanger Arbeit und zig Varianten nie mit dem Ergebnis so 100% zufrieden. Paradoxerweise wird in der Post Production oft versucht, klassische Filmlooks nachzubilden. Dieses ganze emotionale Dilemma erspare ich mir, in dem ich eben gleich analog fotografiere.

Analoge Fotografie

Wie bei der digitalen Fotografie muss ich mich vor dem Bild entscheiden, welche Brennweite und Blende ich nehme um die gewünschte Bildwirkung zu erzielen. In der analogen Fotografie ist das nicht anders. In der Filmfotografie kommt noch die Entscheidung hinzu, welches Filmformat ich nehme: Kleinbild, Rollfilm oder Planfilm. Die Bildwirkung und technischen Möglichkeiten (z.B. Scheimpflug, Tilten, Shiften beim Großformat) unterscheiden sich je Filmformat deutlich. Man darf nicht vergessen, im 8×10 Inch Großformat habe ich ein Negativ bzw. Diapositiv mit einer Größe von nahezu DIN A4.

Mit der Wahl des Films und – bei Schwarzweißfilm – mit der Kombination aus Film und Entwickler-Chemie muss ich mich schon vor Beginn der Aufnahme auf einen Look festlegen. Hierbei zählt Erfahrung, Erfahrung und nochmals Erfahrung: Farb- oder Schwarzweißfilm, Negativ- oder Diapositivfilm, Tageslicht- oder Kunstlichtfilm, Wahl der Filmempfindlichkeit, spektrale Empfindlichkeit der Emulsion – die Wahl des Filmtyps bzw. der Filmmarke und bei Schwarzweiß auch der Entwickler und der Entwicklungsprozess an sich ist nie zufällig, sondern folgt einem bestimmten Ziel. Auch wenn man die Qual der Wahl hat, habe ich natürlich Lieblingsfilme und Lieblingsentwickler.

Wenn ich mich auf einen Film, seine Belichtung und Entwicklung festgelegt habe, ist mein Look fertig. Weitere Stellschrauben in der Weiterverarbeitung sind bestenfalls filigran, egal ob analog via Handabzug am Vergrößerer oder hybrid mit dem digitalisierten Negativ oder gescanntem Postivabzug. Mich entlastet das unheimlich, am Ende des Fotoshootings nichts mehr am Look ändern zu können.